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Das Erlanger Fernweh Festival 

Seit 20 Jahren gibt es nunmehr das Erlanger Fernweh Festival, das sich von einem anfänglich kleinen Event mit 500 Besuchern zum zweitgrößten Live-Reportage Festival Deutschlands mit bis zu 14.000 Besuchern entwickelt hat.

Mit seiner Mischung aus unterhaltsamen sowie informativen und tiefgründigen Live-Reportagen, Seminaren und Workshops, Musik- und Tanzdarbietungen, Fotoausstellungen, Podiumsdiskussionen, kulinarischen Beiträgen und der bunten Messe hat sich der Event einen festen Platz im kulturellen Leben der Stadt Erlangen erarbeitet.

Dabei wird diese Veranstaltung von den Organisatoren Cordula Gotschy, Holger Fink und Dr. Heiko Beyer komplett in Eigenregie und bisher ohne jegliche finanzielle oder organisatorische Förderung gestemmt.

Da es für Außen stehende mitunter schwer sein mag, uns in bestehende Kultur-Kategorien einzuordnen, möchten wir mit dieser Seite die wichtigsten Elemente unserer Veranstaltung inklusive einiger Aussagen von anderen Kulturschaffenden vorstellen: 

Live-Länderreportagen auf großer Bühne als zentrales Veranstaltungselement

Unsere Zahlen belegen: 93 % aller Besucher besuchen unser Festival, um sich inhaltlich und visuell in ferne oder nahe Länder entführen zu lassen, deren Kulturen, Landschaften, Sehenswürdigkeiten, Geschichte und aktuelle Entwicklungen in einer persönlichen und emotionalen Präsentationsform in sich aufzunehmen.

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Die offizielle Berufsbezeichnung der Referenten lautet „Vortragskünstler“ und in der Tat sind diese als Künstler anerkannt, sind zumeist in der GBV (Gesellschaft für Bild und Vortrag) organisiert und Mitglied der Künstlersozialkasse. Hinter einen Bühnenprogramm steht ein großer finanzieller und organisatorischer Aufwand, denn die Kosten für eine Produktion bewegen sich in der Regel im höheren fünfstelligen Bereich. Je nach Thema und Machart dauert die Vorbereitungsphase 2-3 Jahre. Der Referent geht dann mit dem entsprechenden Bühnenprogramm auf Tournee in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit bis zu 100 Auftritten pro Vortragssaison. (Diese umfasst die Monate Oktober – April) und veröffentlicht in der Regel eine DVD und mehrere Bild- und Textbücher zu seinem Thema.
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Inhaltlich sind die Bühnenprogramme weit weg von dem, was als „Länder-Diavortrag“ noch in den 90er-Jahren in den Sälen Deutschlands zu sehen war: Die Vortragskünstler berichten aus den einzelnen bereisten Ländern in persönlicher, emotionaler und informativer Form. Sie lassen Menschen zu Wort kommen und beleuchten deren Lebensumstände oder deren Sicht der Dinge. Zusätzlich haben viele unserer Referenten auch eigene Hilfsprojekte, die sie in den Präsentationen vorstellen und letztlich durch Spendengelder der Besucher finanziert werden.

Hier einige wenige Beispiele der Bühnenprogramme, die in den letzten Jahren im Programm waren oder 2021 sein werden:

Josef Niedermeier mit Inklusionsthema: „Südafrika“ (Nov. 2021)

Josef Niedermeier mit Inklusionsthema: „Südafrika“ (Nov. 2021)

„Wir sind unterwegs mit unserem 3-jährigen Sohn Flo, der mit Downsyndrom auf die Welt kam. Wir haben uns als Familie auf unserer Reise durch Afrika dieser besonderen Herausforderung gestellt und wurden mit unerwarteten Begegnungen, herzerfrischenden Anekdoten und stillen Aha-Momenten belohnt. Wie reagieren die Afrikaner auf Flo? Wie reagiert er auf Afrika?“

„Inklusion – so sympathisch und herzlich auf die Bühne gebracht, dass dem Zuschauer das Herz aufgeht“ (FAZ)
Klimaschutz-Aktivist Markus Mauthe – „An den Rändern der Welt“ (Nov. 2021)

Klimaschutz-Aktivist Markus Mauthe – „An den Rändern der Welt“ (Nov. 2021)

Über vier Kontinente hinweg und in mehr als 20 Ländern unterwegs, dokumentiert der Fotokünstler und Klima-Aktivist drei Jahre lang die Vielfalt und Schönheit Indigener Kulturen. Im Fokus stehen die Geschichten hinter den Bildern. Denn die Menschen und deren Lebensräume werden massiv durch Umweltzerstörungen und den Folgen der Klimaveränderungen bedroht.
Lutz Jäckel: „Syrien - Erinnerungen an ein Land ohne Krieg“ (Nov. 2019)

Lutz Jäckel: „Syrien - Erinnerungen an ein Land ohne Krieg“ (Nov. 2019)

Voller Wärme berichtet der Referent von herzlichen Begegnungen, kultureller Fülle, einem damaligen friedlichen Miteinander der Religionen und Ethnien. Außerdem berichten Syrer, Deutsch-Syrer und Deutsche in Videos von ihrem Syrien, lassen den Zuschauer teilhaben an ihren Erlebnissen und Erfahrungen, die geprägt sind von Fröhlichkeit und Wehmut, Freude und Trauer. So entsteht ein gleichermaßen persönliches wie breites Bild – und ein Brückenschlag voller Hoffnung und Empathie.
Rüdiger Nehberg: „Lagerfeuergeschichten“ (Schutz der Yanomami in Brasilien und Kampagne gegen Genitalverstümmelung) (Nov. 2015)

Rüdiger Nehberg: „Lagerfeuergeschichten“ (Schutz der Yanomami in Brasilien und Kampagne gegen Genitalverstümmelung) (Nov. 2015)

Spannend und packend schilderte Rüdiger Nehberg von seinem Kampf, seinen Misserfolgen und Erfolgen bei seinen zwei Herzensprojekten. Zum einen der Schutz der Yanomami in Brasilien, die durch Goldsucher, Kopfgeldjäger und das Abbrennen des Amazonas-Urwaldes jetzt unter Bolsonaro gefährdeter sind den je. Und zum anderen die Kampagne gegen die weibliche Genitalverstümmelung. Er führte diesen Kampf bis zu seinem Tod in diesem Jahr und seine Erfolge sprechen für sich.
Heiko Beyer: Die Anden (Nov. 2017)

Heiko Beyer: Die Anden (Nov. 2017)

Ein zentraler Reportageteil im Bühnenprogramm „Die Anden“ ist die Geschichte der peruanischen Menschenrechtlerin Hilaria Supa Huaman. Durch die Veröffentlichung ihrer Biografie in Deutschland durch Dr. Heiko Beyer ergaben sich die Mittel für ihren Wahlkampf und schließlich der Einzug ins peruanische Parlament für zwei Legislaturperioden.

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Statements Kulturschaffender aus der ganzen Bundesrepublik

 

„Bei einer kulturellen Veranstaltung geht es darum, etwas zu erleben: Musik, Literatur, Theater, Tanz und vieles mehr. In einer gelungenen Live-Reportage erlebt das Publikum Künste und Kulturen, Land und Leute aus den verschiedensten Regionen unseres Planeten. Neben der dargebotenen Foto- und Filmkunst muss man bei Live-Multivisionen das kleine Wörtchen „Live“ betonen. Der persönliche Kontakt zu den Vortragenden in der Veranstaltung und der Pause ist eine spannende Ebene, mit denen sich Live-Reportagen deutlich von Kino- oder Fernseh-Dokumentationen absetzen.

Als Kulturreferent im Augustinum Heidelberg bewerte ich Live-Reportagen als eine beliebte und spannende Veranstaltungsart, die völlig gleichberechtigt zu Konzerten, Kleinkunst oder anderen Genres als fester Bestandteil unseres Kulturprogramms zu sehen ist.

Max Hilker
(Kulturreferent Augustinum Heidelberg)

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Von 2001 bis 2016 gab es im Gemeinschaftshaus Langwasser eine sehr erfolgreiche Kooperationsveranstaltung des Amtes für Kultur- und Freizeit Nürnberg/ Gemeinschaftshaus Langwasser mit Dr. Heiko Beyer unter dem Titel „Blickpunkt Erde“.
Dahinter stand eine monatliche multimediale Länderreportage, in der ein/e Profi-Referent*in von fernen Lindern, Landschafen und Kulturen in unterhaltender, authentischer und tiefgründiger Weise berichtete. In großer Projektion im Kinoformat und Live-Kommentar sollen diese Reportagen nicht nur unterhalten, sondern auch Wissen vermitteln und darüber hinaus für Toleranz und Völkerverständigung werben. Abhängig vom Thema und Vortragskünstler setzen sie den Fokus auf Natur- und Klimaschutz, die politische und soziale Situation sowie kulturelle und ethnische Besonderheiten. Dabei bringen sie dem Publikum die positiven wie negativen aktuellen Entwicklungen in den präsentierenden Ländern nahe. Für das Gemeinschaftshaus Langwasser der Stadt Nürnberg waren die Länderreportagen ein wichtiger und wertvoller Bestandteil des Kulturprogramms und wir gehen davon aus, dass nach der Beendigung des Umbaues des Gemeinschaftshauses Langwasser wieder eine neue Vortragsreihe entstehen wird.

Walter Müller-Kalthöhner
(Amt für Kultur und Freizeit Nürnberg)

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„Länderreportagen, auch oft als Live-Multivisionen bezeichnet, sind in ganz Deutschland, Österreich und in der Schweiz fester Bestandteil des Kulturprogramms örtlicher und überregionaler Veranstalter. Bei dieser Form der Kultur präsentieren anerkannte und professionelle Vortragskünstler ihr Bühnenprogramm auf großen Tourneen mit jährlich bis zu 100 Auftritten. Sie berichten mit Fotografien und Videosequenzen auf großer Leinwand vielschichtig, kompetent und rhetorisch gewandt aus den verschiedensten Ländern unserer Erde, wobei die persönliche  und emotionale Inhaltskomponente einen wichtigen Beitrag zur Authentizität der Darbietung leistet. Ich wünsche Ihnen mit Ihrem sehr beeindruckenden FERNWEH Festival alles Gute und hoffe sehr, dass Sie als Kulturtreibender in der Stadt Erlangen die Krise überstehen. In den Wintermonaten bin ich beruflich ja viel in Erlangen und Umgebung – und ich freue mich immer, wenn ich zu Ihrem Festival kommen kann.“

Professor Michael Hoyer
(Kommunikations- und Medienwissenschaften, Villingen-Schwenningen)

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„Das lebendige Erzählen von Geschichten in Wort und Bild hat in der Menschheitsgeschichte eine lange Tradition. Ob am Lagerfeuer oder als Höhlenmalerei: der Mensch erzählt sein Leben und seine Mythen. Das kennzeichnet den Homo sapiens als kulturschaffendes und auch als kulturabhängiges Wesen. 

Der Livevortrag mit Bildern ist älter als die Fotografie. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert schaute das Publikum gebannt auf die mit Gaslaternen projizierten Bilder der Vortragskünstler*innen und lauschte den Berichten von ihren Reisen, über Kultur, Kunst, Wissenschaft und Religion. Diese Tradition lebt bis heute in Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Erlanger Fernweh Festival fort. Hier stehen die Referent*innen authentisch mit Wort und Bild auf der Bühne. Sie stehen – im wahrsten Wortsinne – für das, was sie dort live erzählen. Jedes Mal einzigartig und unwiederholbar. Wie ein Theaterstück oder ein Konzert. Diese Kultur des Livevortrags zu erhalten und auch über die schwierige Zeit der Corona-Krise hinweg zu bewahren ist eine wichtige Aufgabe aller verantwortlichen Akteure im Kulturbetrieb, damit wir uns auch in Zukunft um das Lagerfeuer der Großbildleinwand versammeln und den Erzählungen der Vortragskünstler*innen zuhören und zuschauen können.“

Martin Breutmann
(Herausgeber/ Chefredakteur der Zeitschrift fotoforum)

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Der Kulturring Gaggenau ist ein "Eingetragener Verein" der eng mit der Stadtverwaltung Gaggenau und ihrem Kulturamt zusammenarbeitet. Sinn und Zweck des Vereins bestehen laut Satzung in der „Pflege alten und neuen Kulturgutes in Wort, Bild und Ton als unmittelbarem Erlebnis“. Dazu gehören auch die Live-Länderreportagen, auch Multivisionen genannt. Durch seine Initiativen will der Verein auch über seinen Mitgliederkreis hinaus allen Teilen der Bevölkerung kulturelle Bereicherung bieten.

Im Allgemeinen führen wir folgende Arten von Veranstaltungen durch:

  • Wissenschaftliche Vorträge
  • Expeditionsberichte über fremde Länder
  • Vorträge über Natur und Heimat
  • Autorenlesungen
  • Konzerte
  • Kammermusikabende
  • Tagesausflüge zu Ausstellungen und Stätten kultureller Bedeutung
  • Mehrtägige Bildungsreisen

Meine Aufgabe ist es, Vorträge und Multivisionsveranstaltungen aus zu wählen die den oben genannten Anforderungen, laut unserer Satzung, entsprechen.

Kurt Barthenschlager

(Fachreferent Kulturring Gaggenau e.V.)

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Festivals, bzw. Kulturevents im Bereich der Live-Länder-Reportagen sind als kulturelle Angebote einzustufen.

Zu einem sind diese im künstlerischen Bereich anzusehen, hier im Sinne der Fotografie und Film, aber auch sind diese Bestandteil der Reiseliteratur.

Außerdem kann Kultur als kollektives Gedächtnis der Menschheit bezeichnet werden und auch hier sind Festivals mit Live-Länder-Reportagen inbegriffen.

Diese Festivals stellen nicht nur künstlerisch und literarisch neue Einblicke in Kulturen dar, sie benutzen das Medium, des Vortrages und der künstlerischen Umsetzung (Fotografie, Film, Musik, etc…), um die Persönlichkeit und den Geist zu pflegen und zu erweitern. Dies ist auch die Übersetzung des Wortes cultura -Pflege des Geistes und der Persönlichkeit-.

Live-Länder-Reportagen, sprich Welt-Dia-Vision Vorträge sind kulturelle, hier künstlerische, sozio-gesellschaftliche Kulturevents für das allgemeine Publikum und auch für spezifische Zielgruppen.

Florian Schmitt
(Geschäftsführer VHS Rhön und Grabfeld)